Unternehmen

1 Juni 2018IDM

Von Seilbahnen zu Windkraftanlagen, mit nachhaltigen Technologien an die Spitze

Transportsysteme für die Berge und die Metropolen dieser Welt, erneuerbare Energiequellen, Pistenfahrzeuge und technische Beschneiung. Die Unternehmensgruppe Leitner kam im vergangenen Jahr auf weltweit 873 Millionen Euro Umsatz. Ihren Sitz hat sie im Herzen Südtirols

In einer sich immer schneller drehenden Welt gehört die Zukunft denjenigen, die sich mit ihr drehen. Wer in Bewegung ist, muss jedoch gleichzeitig über Weitsicht verfügen, Opfer bringen können und über eine hohe Innovationsfähigkeit verfügen. „Der größte Schaden, den wir uns selbst zufügen können, ist stehen zu bleiben“, erklärt Anton Seeber, Inhaber von Leitner Ropeways, einem weltweit führenden Südtiroler Konzern für Seilbahnen. Als einer der ersten der Branche setzte er auf Erneuerung. Seeber bekräftigt: „Mit Innovation verhält es sich wie mit Kindern: man übernimmt Verantwortung für sie, kümmert sich um ihre Erziehung und pflegt sie, wenn sie krank werden - sie sind unsere Zukunft. Deshalb lohnt es sich stets, dieses Risiko einzugehen“. Und er muss es wissen, denn vor zwei Jahren war er als Sohn an der Reihe, die Firma von seinem Vater Michael zu übernehmen, der fast 20 Jahre lang an der Spitze des Unternehmens gestanden hatte. Eine Entscheidung, die sein Leben komplett veränderte: aus den USA, wo er nach seinem Diplom an der Bocconi Universität im Finanzbereich tätig war, zurück nach Sterzing im Herzen der Alpen. „Eine neue Aufgabe, der ich mich mit Respekt und Bescheidenheit näherte - wie er uns anvertraut - denn ein Unternehmen wie dieses zu führen bedeutet nicht nur eine hohe Verantwortung für mich und die Firma, sondern für die gesamte Gemeinschaft“.

Die Geschichte der Firmengruppe, zu der Leitner ropeways, Poma (Seilbahnsysteme), Agudio (Materialbeförderungsanlagen), MiniMetro (Standseilbahnen für Städte und Flughäfen), Prinoth (Pisten- und Kettennutzfahrzeuge), Demaclenko (technische Beschneiungsanlagen) und Leitwind (Windanlagen) gehören, geht bis ins Jahr 1888 zurück, als Gabriel Leitner, Maschinenbauingenieur aus Sterzing, eine Werkstatt für Landmaschinen, Seilbahnen für den Materialtransport und Wasserturbinen gründete. Im Laufe der Jahre wurden die Geschäftsbereiche stetig weiterentwickelt und erneuert, sodass ein echter Konzern entstand, der heute 3380 Mitarbeiter in aller Welt zählt (davon allein 1000 in Südtirol), mit einem Umsatz von 873 Millionen Euro (2017). Erfolge, die dank der beiden Firmenleitsätze erzielt werden konnten: Innovation und Diversifikation der Produktpalette. 

Allein 2017 gab der Konzern über 23 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung aus, womit er einen Trend fortsetzt: seit 2013 wurden nie weniger als 20 Millionen Euro pro Jahr in diesen Bereich investiert. Hinzu kommen weitere 20 Millionen Euro, die im vergangenen Jahr für die Stärkung der internationalen Marktposition verwendet wurden, sowie 1.5 Millionen Euro für die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter mit besonderem Augenmerk auf die Digitalisierung. „Wir investieren in das Talent unserer Beschäftigten, von den Ingenieuren bis hin zu den Facharbeitern“, erklärt Seeber. „Ein Unternehmen ist aus Menschen gemacht und nicht nur ein Gebilde aus Nummern und Maschinen. Die kontinuierliche Weiterbildung unserer Mitarbeiter macht es möglich, Tag für Tag besser zu werden und gemeinsam nach vorne zu blicken“. Eine der wertvollsten Früchte dieses Erneuerungsgeistes ist DirectDrive, ein einzigartiges Antriebssystem, das ohne Getriebe funktioniert. Auf diese Innovation ist man bei Leitner besonders stolz, da sie höchste Zuverlässigkeit, geräuschlose Anlagen, eine Energieeinsparung von 5% und einen geringeren Schmierölverbrauch garantiert. 

Das zweite Stichwort „Diversifikation“ beschreibt eine weitere wichtige Eigenschaft: die Herausforderungen der Märkte zu erkennen und Veränderungen vorwegzunehmen, anstatt ihnen hinterherzulaufen. Hier spielt die Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle, insbesondere in den Bereichen der städtischen Verkehrsmittel und erneuerbaren Energiequellen. Für Erstere lassen sich zahlreiche Beispiele anführen, die von Mexiko über die Vereinigten Staaten und Kolumbien bis in die Türkei oder Algerien reichen. Denn hier, in einigen der verkehrs- und bevölkerungsreichsten Städte der Welt, sind Seilbahnen neuer Ausdruck für eine nachhaltige und integrierte Mobilität. Die 2016 in Mexiko-Stadt eingeweihte Kabinenbahn beispielsweise erspart jedem Bewohner des dicht besiedelten Stadtviertels Ecatepec de Morelos 377 nutzlos im Verkehr verbrachte Stunden. Andernorts, wie in Malaysia, Hongkong, Peru oder Berlin, werden die Seilbahnen eher zu touristischen Zwecken verwendet, was jedoch ihren Stellenwert keinesfalls mindert. Man denke nur an den Erfolg der Seilbahn „Gärten der Welt“, die anlässlich der Internationalen Gartenausstellung Berlin 2017 in der deutschen Hauptstadt errichtet wurde und in nur drei Monaten fast drei Millionen Fahrgäste transportierte. „Das sind nur einige Beispiele für den städtischen Seilbahntransport, ein Sektor, für den wir in Zukunft eine exponentielle Entwicklung erwarten. Die Technologie ist die gleiche wie im Gebirge, wobei die Anforderungen an Service und Zuverlässigkeit andere sind, denn diese Anlagen müssen jeden Tag mindestens 16 Stunden in Betrieb sein“, erläutert Seeber. „Der Energiesparmotor spielt hierbei eine zentrale Rolle, da er nicht nur höchste Leistungen bietet, sondern gleichzeitig umweltfreundlich ist“. 

Ein weiteres unterscheidendes Merkmal von der Unternehmensgruppe Leitner ist das hohe Augenmerk auf natürliche Ressourcen, was sich auch in der Investition in Windanlagen und in den patentierten Technologien für die Energieerzeugung in Gebieten mit geringerem Windaufkommen   zeigt. In diese Richtung geht auch die neue Zusammenarbeit mit dem deutschen Energiekonzern E.ON für die Entwicklung von knapp 50 m hohen Windanlagen, dank derer kleine und mittelständische Unternehmen selbstständig Energie erzeugen können. Der erste Prototyp soll bereits in diesem Jahr in Bayern errichtet werden, wobei erneut das „berühmte“ DirectDrive eingesetzt wird. Außerdem wurde Leitwind mit dem ersten Windprojekt in der Karibik beauftragt, einem spektakulären Windpark auf den amerikanischen Jungferninseln. In Italien wurden bereits 133 Leitwind-Anlagen installiert.

Foto: MediaLab

Doch auch die traditionellen Branchen sind immer wieder für neue Überraschungen und Erfolge gut: derzeit wird in Zusammenarbeit mit Swarovski und Pininfarina die Dreiseilbahn Klein Matterhorn fertiggestellt, die die Skifahrer auf 3883 m Höhe bringen soll und damit die höchste der Welt sein wird. In Voss, Norwegen, wird derzeit die erste Dreiseilbahn Skandinaviens gebaut, die Teil des Erneuerungsplans für das berühmte Ausflugs- und Skigebiet am Berg Hanguren ist. Diese Projekte sind ein Zeichen für den kontinuierlichen Trend zur Verknüpfung modernster Technologien mit höchstem Komfort, wie die jüngsten Eröffnungen der 8er-Sesselbahn „Jufen“ in Kitzbühel und der 10er-Gondelbahn „Piz Seteur“ in Wolkenstein in Gröden zeigen. 

Eine bunte Mischung aus Kreativität und Technologie, die von Sterzing in alle Welt getragen wird: die kleine Stadt inmitten einer atemberaubenden Alpenlandschaft zeichnet sich durch ihre mitteleuropäische Identität aus. «Wir sind stark in Südtirol verwurzelt. Die Grenzlage hat den äußersten Norden des Landes stets beeinflusst und eine multikulturelle, vielsprachige Gemeinschaft geschaffen, die Änderungen offen gegenübersteht und zuversichtlich in die Zukunft blickt, wobei dem Umweltschutz eine wichtige Rolle zukommt. „Ich habe schon viele Orte auf der Welt gesehen“ bemerkt Seeber abschließend, „aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass dieser hier etwas ganz Besonderes ist“.

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Fact Sheet

FIRMENGRUPPE 

Leitner ropeways mit Sitz in Sterzing ist ein marktführendes Unternehmen für Gebirgs- und Städteseilbahnen und gehört zusammen mit Poma (Seilbahnsysteme), Agudio (Materialbeförderungsanlagen), MiniMetro (Standseilbahnen für Städte und Flughäfen), Prinoth (Pisten- und Raupenfahrzeuge), Demaclenko (technische Beschneiungsanlagen) und Leitwind (Windanlagen) zum Konzern High Technology Industries. 

 

GESCHICHTE UND INNOVATIONEN

Die Geschichte des Leitner-Konzerns ist eng mit technologischer Innovation verknüpft. Nachfolgend einige Meilensteine der Firmenentwicklung: 

-       1888: Gabriel Leitner gründet eine Firma, die auf den Bau von Landmaschinen, Seilbahnen für den Materialtransport, Wasserturbinen und Sägewerken spezialisiert ist;

-       1908: Leitner ist am Bau der Kohlerer-Bahn in Bozen beteiligt, der ersten Personenseilbahn in Mitteleuropa;

-       1947: Leitner errichtet die erste italienische Sesselbahn „Col Alt“ in Corvara;

-       1970: die Landmaschinenproduktion wird durch die Herstellung von Pistenfahrzeugen ersetzt;

-       1983: Entwicklung der ersten kuppelbaren Klemme von Leitner;

-       1993: Michael Seeber übernimmt das Unternehmen; 

-       1999: Errichtung der ersten automatischen Sesselbahn CD4 mit dem Direktantrieb Leitner DirectDrive

-       2000: Erwerb von Prinoth, Spezialunternehmen für Pistenfahrzeuge, und Poma, französisches Unternehmen für Seilbahnen;

-       2003: Herstellung der ersten Windturbine Leitwind;

-       2008: Einweihung von Minimetro in Perugia, einem innovativen Seiltransportsystem für Personen. 

-       2009: erste Dreiseilbahn (3S) Italiens in Oberbozen;

-       2010: Erwerb der auf Beschneiungsanlagen spezialisierten Firmen Demac und Lenko;

-       2011: die Firma Leitner ist erster und einziger Lieferant für Wintersporttechnologien, die von Seilbahnen über Pistenfahrzeuge bis hin zu innovativen Beschneiungsanlagen reichen; 

-       2013: Einführung des Umrichters LeitDrive, der eine Weiterentwicklung der elektrischen Antriebe von Leitner darstellt; 

-       2014: Einführung der neuen und intuitiven Graphik-Schnittstelle LeitControl; 

-       2015: Entwicklung von Symphony, der neuen Gondel mit Design von Pininfarina, sowie der eleganten und sportlichen Ledersitze Leitner Premium Chair

 

ZAHLEN 2017

Umsatz: 873 Millionen Euro 

Seilbahnen: 75

Windanlagen: 11

Pisten- und Raupenfahrzeuge: 682

Schneekanonen: 2.000

Investition in Forschung & Entwicklung: 23,5 Millionen Euro

Marktinvestitionen: 20 Millionen Euro

Mitarbeiter: 3.380