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11 Dezember 2017IDM

Innovationen auf der Weide – mit Südtiroler Beteiligung

Als einer von 20 Projektpartnern aus acht europäischen Ländern beteiligt sich das Südtiroler Versuchszentrum Laimburg an Inno4Grass. Ziel des internationalen Projekts ist es, die Rentabilität der europäischen Grünlandbetriebe zu steigern – bei gleichzeitiger Lieferung von Ökosystemdienstleistungen.

Ein Tier, dem es gut geht, produziert auch besseres Fleisch. Diesem Motto folgend führt der Biolandwirt Markus Lintner zusammen mit seiner Familie seit 2006 den Schornhof in Aldein im Südtiroler Unterland. Das Vieh am Schornhof wird ohne außerbetriebliche Futtermittel und unter Berücksichtigung seines Wohlbefindens aufgezogen. Von April bis Oktober weidet es auf den Flächen des Betriebs, von denen die landschaftlich wertvollsten extensiv bewirtschaftet werden. Die Weidezeiten und -flächen sind flexibel und werden an den Bedarf der Tiere und an die klimatischen Bedingungen angepasst. In den Wintermonaten wird das Vieh mit dem Heu gefüttert, das ausschließlich von den Wiesen des Betriebs stammt, ohne Silage oder andere Futtermittel von außerhalb des Hofes zuzusetzen. Auch dank der Beratung durch das Südtiroler Landesversuchszentrums Laimburg werden die Mähweiden des Hofs regelmäßig mit Arten und Sorten nachgesät, die ein qualitativ hochwertiges Futter ergeben.

Glückliche Tiere, höhere Fleischqualität, weniger Arbeit

Diese Strategie sorgt Lintner zufolge nicht nur für eine höhere Qualität des Fleisches, sondern führt zugleich zu einer Verminderung der Arbeitsbelastung und der Arbeitszeit.

Kürzlich fand am Schornhof die erste von insgesamt acht in Südtirol im Rahmen des internationalen Projekts Inno4Grass (Abkürzung für „Gemeinsamer Innovationsraum für nachhaltige Produktivität von Grasland in Europa") geplanten Diskussionsgruppen statt. Thema des Treffens waren die Methoden der Tierhaltung am Schornhof.

Alles in allem stehen 144 Diskussionsgruppen in acht europäischen Ländern beim auf drei Jahre angelegten Landwirtschaftsprojekt (Jänner 2017 bis Dezember 2019) auf dem Programm. Bei jeder davon sollen Beispiele für Innovation in der Landwirtschaft besprochen werden, wobei die Grünlandwirtschaft im Zentrum steht.

Innovation und Grünlandwirtschaft scheinen auf den ersten Blick so gar nicht zusammenzupassen. Was bedeutet das also, Innovation in der Landwirtschaft? „In der Projektdefinition von Inno4Grass wird es folgendermaßen beschrieben: Eine Innovation in einem Grünlandbetrieb ist etwas Originelles, das die Effektivität oder die Effizienz im Management der Grünlandbewirtschaftung steigert“, führt Giovanni Peratoner aus, der den Fachbereich Berglandwirtschaft der Laimburg verantwortet und Inno4Grass auf lokaler Ebene leitet. „Weiter heißt es: Innovationen sind standortbezogen; sie können in einem Land innovativ, in einem anderen Land gängige Praxis sein.“ Für Inno4Grass werden drei Innovationskategorien unterschieden:

  • Innovationen in der Produktionstechnik wie zum Beispiel Beweidung/Weidesysteme, Futtertrocknung, Geräte/Maschinen;
  • Produktinnovationen wie zum Beispiel weidebasierte Fleischproduktion oder -produktion, spezielle Eigenschaften der Produkte;
  • organisatorische Innovationen wie zum Beispiel Zusammenarbeiten von Organisationen.

Praxis und Wissenschaft sollen zusammengeführt werden

„Hauptziel des Projekts ist die Zusammenführung von Praxis und Wissenschaft, um die Umsetzung von Innovationen aus der Praxis im produktiven Grünland mithilfe eines multidisziplinären Ansatzes zu identifizieren und zu analysieren“, erklärt Peratoner. Das gewonnene Wissen solle dann auch anderen Nutzern zugänglich gemacht werden, damit „alle Landwirte über die Stärken, Voraussetzungen und mögliche Schwierigkeiten der Innovation informiert werden. Bei unserer Arbeit gehen wir gezielt auf den Bedarf und die Erwartungen der Landwirte ein.“

Langfristiges Ziel von Inno4Grass sei es, die Rentabilität der europäischen Grünlandbetriebe bei einer gleichzeitigen Lieferung von Ökosystemdienstleistungen zu erhöhen. Um dieses Ziel umzusetzen, werden für jede Diskussionsgruppe zusammenfassende Berichte sowie Informationsmaterial für die Praxis verfasst und zur Verfügung gestellt sowie in das Informationssystem von Inno4Grass eingespeist.

An den Diskussionsgruppen sollen jeweils zwischen fünf und 15 Personen teilnehmen. „Dies gewährleistet eine konstruktive Diskussion unter Teilnahme aller Anwesenden“, sagt Peratoner. Die Teilnehmer, die gezielt ausgewählt und eingeladen werden, sollten aus möglichst allen Bereichen stammen, welche für die Analyse und Diskussion der Innovation von Bedeutung sind: Wissenschaft, Beratung und Ausbildung, Bauerorganisationen, innovative Landwirte, Vertreter der Industrie und der Vermarktung u.s.w.

Und: Die Teilnehmer bei den Diskussionsgruppen, die innerhalb einer Region stattfinden, bleiben nicht stets dieselben, sondern wechseln, je nachdem welche Innovation behandelt wird. „Von den Diskussionsteilnehmern“, sagt Peratoner, „werden einerseits eine gewisse Offenheit gegenüber Innovation im Allgemeinen sowie fachliche Kompetenz erwartet, andererseits die Fähigkeit einer kritischen-konstruktiven Betrachtung der Innovation.“

Innovationen vom Weidemanagement bis zur Futterkonservierung

Die Themen, die bei den Diskussionsgruppen behandelt werden, wurden im Südtiroler Fall vom lokalen Projetkoordinator Laimburg gemeinsam mit dem Südtiroler Bauernbund, dem Südtiroler Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) und den regionalen Stakeholdern im Bereich der Grünlandwirtschaft ermittelt. „Wir werden Betriebe analysieren“, so Peratoner, „die hauptsächlich Innovationen im Bereich des Weidemanagement, Tierart oder Rasse, Futterkonservierung und Vermarktung der Produkte entwickelt haben.“

Am 15. Dezember wird die zweite Südtiroler Inno4Grass-Diskussionsgruppe stattfinden: Im Biobetrieb der Fachschule für Land- und Hauswirtschaft Salern bei Brixen im Eisacktal in Vahrn wird es um das dort praktizierte flexible Weidemanagement mit Milchkühen und –schafen gehen, ebenso wie um die Kraftfutterreduktion in der Fütterung, die im Betrieb seit 2016 umgesetzt wird.

Fact Sheet

Das Projekt Inno4Grass

Inno4Grass ist die Abkürzung für das europäische Projekt „Gemeinsamer Innovationsraum für nachhaltige Produktivität von Grasland in Europa". Das Projekt sieht 144 Diskussionsgruppen in ganz Europa vor, von denen praktische Beispiele für angewandte Innovation in eine Plattform zum gegenseitigen Austausch eingespeist werden. Am Projekt beteiligt sind bedeutende Bauernorganisationen, landwirtschaftliche Beratungsorgane, Bildungs- und Forschungseinrichtungen aus acht europäischen Ländern: Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Polen und Schweden.

Das Projekt Inno4Grass wird vom Grünlandzentrum Niedersachsen koordiniert und mit Mitteln aus dem EU-Rahmenprogramm Horizon 2020 finanziert. Italien ist mit dem „Nationalen Forschungsrat“ (CNR), dem Züchterverband „Associazione Italiana Allevatori“ und dem Versuchszentrum Laimburg im Projekt vertreten. Auf lokaler Ebene arbeitet das Versuchszentrum Laimburg eng mit dem Innovationsschalter des Südtiroler Bauernbundes, mit dem Beratungsring Berglandwirtschaft (BRING) und den Fachschulen für Landwirtschaft zusammen.

Das Versuchszentrum Laimburg

Das Versuchszentrum Laimburg, gegründet 1975, ist die führende Forschungsinstitution für die Landwirtschaft und Lebensmittelqualität in Südtirol. Es betreibt vor allem angewandte Forschung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft zu steigern und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu sichern. Mehr als 150 Mitarbeiter arbeiten jährlich an rund 300 Forschungs- und Versuchsprojekten aus allen Bereichen der Südtiroler Landwirtschaft, vom Obst- und Weinbau bis hin zu Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie.