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15 März 2018IDM

Porsche, Lamborghini, Ferrari: Supersportwagen mit Südtiroler Handschrift

Dass ein Automotive-Unternehmen in einer Garage startet, ist durchaus passend. Dass es ein solches Garagenunternehmen aber auf 85 Millionen Euro Umsatz bringt, dass es Namen wie Ferrari, Lamborghini und Porsche in der Kundenkartei hat und kaum ein Supersportwagen ohne Details aus Südtirol auskommt - das ist Verdienst des Unternehmens Autotest.

Kleider machen Leute. Und offensichtlich auch Autos, denn es sind nicht nur PS und Drehmoment, Beschleunigung und Top Speed, Sicherheit und Verbrauch, die Autos zu Prestigeobjekten machen, sondern auch – und wir wagen zu behaupten: besonders – das Design. Ob nun ein Auto gefällt oder nicht, ob es als „schön“ betrachtet wird oder nicht, ist nicht nur eine Frage der Linie, sondern auch der Details. Deshalb legen vor allem die Top-Hersteller – Audi, Porsche, Bentley, Rolls Royce, McLaren, Aston Martin, Lamborghini, Ferrari – ein besonderes Augenmerk auf die uns Laien nebensächlich erscheinenden Kleinigkeiten am und im Auto: Spoiler, Seitenspiegel oder Tankdeckel etwa. Und für diese „Kleinigkeiten“ hat die oberste Liga der Hersteller einen bewährten Ansprechpartner: das Unternehmen Autotest, das in Lana seinen Ursprung hat.

Wo entsteht ein Unternehmen aus dem Automotive-Sektor? In einer Garage natürlich!

Lana ist bekannt als Südtirols größte Obstbaugemeinde, dass hier ein wichtiger Zulieferer der Autoindustrie entstehen konnte, mag auf den ersten Blick kurios erscheinen. Doch eben nur auf den ersten Blick, denn Autotest ist – einem Apfelbaum nicht unähnlich – organisch zu einem der wichtigsten Unternehmen des Südtiroler Automotive-Sektors gewachsen und hat vor 35 Jahren klein angefangen. Sehr klein. In einer Garage gründet Josef Unterholzner das Unternehmen, er ist ein Tüftler, der Autos einen ganz besonderen Touch zu geben vermag. In seine Werkstatt rollen Serienfahrzeuge, aus seiner Werkstatt rollen Unikate, die ästhetisch und Performance-technisch auf höchstes Niveau getrimmt wurden.

Dank Autotest sind Supersportwagen nun auch Südtiroler

Was Unterholzners Werkstatt prägt, Know-how, die Passion für Innovation und High-Tech, ein Gefühl für Präzision und Details, lässt Autotest zu einem Paradeunternehmen wachsen, das 2017 über 600 Mitarbeiter beschäftigt und einen Umsatz von 85 Millionen Euro erwirtschaftet hat. „Wir sind heute Ansprechpartner der Besten und das verdanken wir unserer Fähigkeit, uns stets voll und ganz auf Qualität und Präzision zu konzentrieren – auch in schwierigen Zeiten“, erklärt Markus Telch, der heute das Headquarter des Unternehmens in Mittewald/Franzensfeste im Südtiroler Wipptal leitet. In den Jahren seit der Gründung hat sich Autotest also von einer Tuning-Werkstatt zu einem bewährten Zulieferer der Top-Automarken entwickelt, zu einem Unternehmen, das sich als Entwickler und Fertiger von hochwertigen Kunststoff-, Metall- und Hybridbauteilen einen in der Branche klingenden Namen gemacht hat.

An Autotest wenden sich die Hersteller dann, wenn es gilt, komplexe Bauteile nach den besonderen Vorstellungen der Designer zu entwickeln, Bauteile, die den Innenraum eines Rolls Royce, die Schnauze eines Audi, den Motor eines Porsche oder die Linie eines Ferrari zu dem machen, was sie letztendlich sind. Auch wenn Details manchmal also als nebensächlich angesehen werden: sie seien es, die allen sofort auffielen und die dafür sorgten, dass Autos einzigartig und wiedererkennbar würden, sagt Telch.

Wie verleiht man Autos Charakter?

Wenn also der Audi Q7 nicht zahm und brav daherkommt, sondern mit einem aggressiven Touch, dann ist das das Werk von 30 eigens geschulten Mitarbeitern von Autotest, die ihm sein unverkennbares „Gesicht“ verpasst haben. Seine Entwicklung, Herstellung und Lackierung hat Autotest einen weiteren enormen Aufschwung verliehen: mit einem neu eröffneten Werk in Bratislava und einem Umsatzplus von 58 Prozent.

Ein Südtiroler Gesicht für den Audi Q7 und den VW Golf

Das „Gesicht“ des Audi Q7 ist nicht das einzige, das Autotest zu verantworten hat. Vielmehr zeichnet das Südtiroler Unternehmen schon Mitte der 1990er-Jahre für den Kühlergrill des neuen VW Golf verantwortlich – ein Auftrag, der dem Unternehmen einen wirtschaftlichen Neustart nach einem verheerenden Brand 1994 ermöglicht. Und 2009 – mitten in der weltweiten Wirtschaftskrise also – zieht Autotest auch den Auftrag für die Entwicklung und Fertigung des Tankdeckels für den neuen Skoda Fabia an Land. Ein Auftrag mit Folgen übrigens, denn seither fertigt Autotest auch die Tankdeckel für Porsche und Lamborghini.

Höchste Präzision und keine Kompromisse

Die Beispiele von Brand und Wirtschaftskrise zeigen: Autotest hat auch schwierige Zeiten hinter sich. „Wir haben aber nie die Lust daran verloren, innovativ zu sein und Produkte höchster Qualität zu fertigen“, erklärt Telch dazu. Letztere spielt im Konzept von Autotest eine zentrale Rolle. Fertige man Bauteile für das Armaturenbrett eines Wagens, müssten auch schon einmal zwei Meter lange Teile auf den halben Millimeter genau passen. Und damit nicht genug: Um einen Auftrag an Land zu ziehen, muss Autotest fünf Jahre Produktion garantieren, darüber hinaus 15 Jahre Ersatzteilgarantie, nachdem Autos eine Lebensdauer von 20 Jahren zugeschrieben wird. „Um dies zu ermöglichen, brauchen wir solide Grundlagen und dürfen keine Kompromisse eingehen“, sagt Telch.

Mediterrane und deutsche Mentalität auf wichtigster Nord-Süd-Achse Europas

Mit dieser Philosophie hat sich Autotest zu einem wichtigen Player in der Südtiroler (und nicht nur) Wirtschaft emporgearbeitet. „Wir haben den Vorteil, auf Mitarbeiter zählen zu können, die Deutsch und Italienisch gleichermaßen sprechen“, so Telch. Doch dies sei nicht der einzige Vorteil des Standortes Südtirol. „Unsere Kunden schätzen unsere Art zu arbeiten: das freundliche Umfeld, den Mix aus mediterraner und deutscher Mentalität, die Lage auf der wichtigsten Nord-Süd-Achse Europas“, so der Autotest-Manager. „Das sind die Stärken eines Unternehmens in Südtirol.“  

Fact Sheet

Steckbrief Autotest

1983: Autotest entsteht als Tuning-Werkstatt in Lana. Ihr Gründer ist Josef Unterholzner.

1991: Als Pionier widmet sich Autotest der Minimierung von Emissionen. So baut das Unternehmen als eines der ersten Retrofit-Katalysatoren in rund 5000 Peugeot 205, 309 und 405 ein.

1994: Zum ersten Mal arbeitet Autotest für den VW-Konzern und fertigt die Front des neuen Golf Yachting.

1995: Mit mittlerweile neun Mitarbeitern wird erstmals die Umsatzmarke einer halben Million Euro geknackt.

2005: Autotest zieht den Auftrag für die Entwicklung, Fertigung und Lackierung der Front des Audi Q7 Offroad an Land.

2011: Ein neues Autotest-Werk in Eisenach entsteht.

2012: Autotest gewinnt den Porsche Supplier Award.

2014: Neuer Lackierungs-Standort in Iggingen, Baden-Württemberg.

2017: Autotest beschäftigt rund 600 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 85 Millionen Euro.