Talente

25 Mai 2018IDM

Russland, Europa und schließlich Südtirol: die Geschichte von Ksenia Morozova. „In den Bergen finde ich meine Inspiration“

Schon als Kind wusste die gebürtige Moskauerin, dass sie Wissenschaftlerin werden will, an der Freien Universität Bozen hat sie ihr Ziel nun erreicht. In ihrer Freizeit widmet sie sich mit Leidenschaft dem Zeichnen. Ihr Lieblingsmotiv? Natürlich die Alpen

„Ich stamme aus einer Familie von Wissenschaftlern und wusste immer schon, dass sich auch mein Leben an einer Universität oder in einem Labor abspielen würde. Ich musste nur den richtigen Platz finden.“, erzählt Ksenia. Was sich so leicht sagt, war in der Praxis weit schwieriger, die Suche nach dem richtigen Platz für Ksenia eine Odyssee. Im Heimatland Russland studiert sie Lebensmitteltechnik, ihren Mastertitel holt sie sich an der École Supérieure d'Agriculture im französischen Angers und an der Uni Hohenheim in Stuttgart absolviert sie ein Forschungsdoktorat. 

Drei Universitäten, drei Länder, drei Sprachen: Für Ksenia scheint dies kein Problem: „Europa gefällt mir, auch weil hier alles nahe beieinander liegt. Man kann problemlos von einem Land ins nächste reisen und dabei auch noch die schönsten Museen der Welt besuchen.“ Ihre Ausbildungstour durch halb Europa ist demnach Herausforderung und Vergnügen zugleich, kann Ksenia doch zwei ihrer großen Leidenschaften ausleben: das Reisen und die Kunst.

Als Durchreisende lernt die Moskauerin auch Bozen kennen: sie hat Freunde in der Stadt, die sie besucht. Ein paar Ferientage in Südtirol reichen, um sich in das Land zu verlieben. Was folgt, sind Nägel mit Köpfen: Ksenia sucht Arbeit in Südtirol, als Wissenschaftlerin findet sie eine Stelle an der Freien Universität Bozen. An der dortigen Fakultät für Technik und Naturwissenschaft weiß Morozova mit ihrem Curriculum zu beeindrucken und die Uni beeindruckt sie: vor allem das internationale Ambiente habe ihr sofort gefallen, strahlt Ksenia.

Kein Wunder: Im Forschungsteam unter der Leitung von Professor Matteo Scampicchio, dem sie seit 2014 angehört, fällt eine russische Wissenschaftlerin nicht weiter auf. Schließlich arbeitet sie mit Forschern aus dem Iran, aus Bangladesch, aus der Republik Kongo und Ruanda zusammen. Und auch in Meran, wo sie nun lebt, haben Einwohner mit russischen Wurzeln eine lange Tradition.

Zur Internationalität trägt schließlich auch der im vergangenen Herbst eröffnete NOI Techpark im Süden Bozens bei, in dem Unternehmen und Forschungseinrichtungen – darunter auch Ksenias Uni – eng zusammenarbeiten. „Die Atmosphäre hier ist eine ebenso internationale wie freundschaftliche“, sagt Ksenia. Man arbeite gemeinsam, helfe sich gegenseitig und die Sprachenvielfalt sei viel mehr Vorteil als Last. Und so macht Ksenia auch zwei Erfolgsfaktoren für ihre Arbeit in Bozen aus. Da seien zum einen die Ressourcen, die die Universität für die Forschungsarbeit zur Verfügung stelle, zum anderen die unterschiedliche Sicht der Forscher auf die Dinge: „Wir haben hier alle an verschiedenen Universitäten studiert, kommen aus drei Kontinenten, gehören verschiedenen Kulturen und Religionen an“, sagt die Russin. 

Grenzen – in jeglichem Sinne des Wortes – spielen in so einer Umgebung keine Rolle. Grenzen kennt auch die Wissenschaft keine. Und Ksenia Morozova schon gar nicht. Das wird nicht zuletzt dann klar, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt: konzentriert, enthusiastisch, glücklich. Derzeit beschäftigt sich ihre Forschungsgruppe mit der Lebensmittelqualität, mit Zutaten und Zusammensetzungen, Haltbarkeiten und den Auswirkungen der Verarbeitung auf die Qualität des Endproduktes. „Außerdem kontrollieren wir die Authentizität von Produkten mit Herkunftsbezeichnung und deren Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Herstellungskette“, erklärt die Lebensmittelforscherin.

Bei so viel Einsatz bleibt kaum Zeit für Anderes, was für Ksenia heißt: für die Kunst. Vom Louvre in Paris über das Kunsthistorische Museum in Wien bis zu den Uffizien in Florenz oder zur Biennale in Venedig: Ksenia lässt sich solche Highlights nicht entgehen. Und in Südtirol hat sie zudem selbst zum Zeichnen gefunden. Ihre Inspiration: die Südtiroler Berge.

Reisen, Kunst, Kreativität: All dies ist für Ksenia Morozova weit mehr als „nur“ Freizeitbeschäftigung. „Ich bin überzeugt, dass es für Wissenschaftler äußerst wichtig ist zu reisen und auch außerhalb des Labors kreativ zu sein“, erklärt Ksenia. Kreativität, sagt sie, öffne den Geist und nur ein offener Geist bringe einen Forscher voran. Dass dies nicht graue Theorie ist, weiß die Hobbykünstlerin aus eigener Erfahrung: „Zeichnen ist für mich eine Möglichkeit, mich auszudrücken, mich frei zu fühlen und in solchen Momenten merke ich oft, dass mein Geist imstande ist, Probleme zu lösen, Wege zu erkennen.“

Ein Forschergeist steht also niemals still. Und ebenso wenig still steht die Freie Universität Bozen. „Die Uni ist jung und dynamisch, sie bietet die besten Voraussetzungen für Wissenschaftler, sich zu entfalten – vor allem solchen wie mir, die jung sind und Lust haben, etwas voranzubringen“, freut sich Ksenia, die auch von der internationalen Vernetzung der Uni Bozen profitiert: in Griechenland und Ungarn, erzählt sie, habe sie Forschungsprojekte vorgestellt, in Mexiko über ein gemeinsames Projekt diskutiert. 

Die Forschung, die Wissenschaft kennt also wirklich keine Grenzen. Und Ksenia Morozova schon gar nicht.

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Fact Sheet

Hier lebt Ksenia

Bozen zieht dank seiner beiden unterschiedlichen Facetten – eine nordeuropäisch geprägt, die andere eher mediterran – Gäste aus aller Herren Länder in seinen Bann. Die beiden Gesichter dieser Stadt gehen hier eine perfekte Verbindung ein, die in den kunsthistorisch bedeutsamen Sehenswürdigkeiten bestens zum Ausdruck kommt.

Jahrhundertelang war Bozen ein wichtiges Handelszentrum zwischen Italien und Deutschland. Heute ist Südtirols Hauptstadt eine Weltstadt, die sich gleichzeitig lebendig, fröhlich, weltoffen, modern und traditionsverbunden zu zeigen weiß.

Bozen bietet ein ausgewogenes Stadtbild aus Wohn- und Grünflächen. Auf einer Vielzahl von Wegen lassen sich in Zentrumsnähe schöne Spaziergänge unternehmen und gleichzeitig können ambitioniertere Wanderer auch mit einer der drei Bergbahnen auf die rings um die Stadt gelegenen Hochebenen fahren. Die Naturkulisse ist hier einzigartig.

Hier arbeitet Ksenia

Ksenia arbeitet an der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik der Freien Universität Bozen. An dieser Fakultät lehren und forschen 21 Professoren und eine ständig steigende Anzahl an Forscherinnen und Forschern in den Bereichen Agrarwissenschaften und Umweltmanagement, Industrie-, Maschinen- und Energieingenieurwesen sowie in den Grundlagenwissenschaften.

Die über 300 Studierenden finden an der Fakultät aufgrund der optimalen Betreuungsrelation und der modernen Ausstattung (Labore, Lehrräume, Bibliothek) optimale Studienbedingungen vor. Austauschmöglichkeiten und internationale Kooperationen mit Universitäten weltweit bieten Studierenden, Forschern und Professoren sehr gute Bedingungen für eine wissenschaftliche Karriere auch innerhalb der Universität.