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22 März 2019IDM

Nachhaltiges Bauen: So regenerieren Häuser die Umwelt und den Menschen

Experten aus aller Welt im NOI Techpark für das EU-Projekt Restore: „Gebäude sind für fast 40 Prozent des CO2-Ausstoßes in die Luft verantwortlich“

Die Sichtweise umkehren: von einem negativen zu einem positiven Paradigma, um wirklich etwas Gutes für die Umwelt zu tun, ohne sich lediglich darauf zu beschränken, die verursachten Schäden zu vermindern. Mit diesem Ziel haben mehr als 100 Fachleute und Studenten an der Veranstaltungswoche von Restore (REthinking Sustainability TOwards a Regenerative Economy) teilgenommen, die vom 11. bis 15. März 2019 im NOI Techpark in Bozen stattgefunden hat. Das Projekt wurde von der Europäischen Union im Rahmen des zwischenstaatlichen Programms COST (European Cooperation in Science and Technology/Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technologie) gewollt und wird von Eurac Research koordiniert. 

„Gebäude sind für fast 40 Prozent des CO2-Ausstoßes in die Luft verantwortlich“

An den fünf Konferenztagen haben sich Teilnehmer aus verschiedenen Fachbereichen (Architektur, Ingenieurwesen, Biologie, Design, Geografie, Wirtschaft – um nur einige zu nennen) über die Auswirkungen des Bauens auf die Umwelt ausgetauscht. „Gebäude sind für fast 40 Prozent des CO2-Ausstoßes in die Luft verantwortlich, sie verbrauchen Energie, Strom und Wasser und erzeugen eine große Menge an Abfall. Aus diesem Grund haben wir uns während der Restore-Woche gefragt, wie wir die Umweltbelastung von Gebäuden konkret reduzieren und gleichzeitig die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen – die SDG – erreichen können", erklärt Carlo Battisti, Chair von Restore im Auftrag von Eurac Research.

Die UN Sustainable Development Goals im Mittelpunkt der Restore Mid-term (Un)Conference

Die 17 SDG (Sustainable Development Goals) standen im Mittelpunkt der (Un)Conference zur Halbzeit von Restore, die während der Arbeitswoche auch stattgefunden hat. Die Veranstaltung trägt diese Bezeichnung, weil sie weniger formell als eine klassische Konferenz war, und den Zweck hatte, einen direkteren Austausch zwischen den Teilnehmern zu fördern. Diese wurden in 17 Gruppen eingeteilt, von denen jede über ein bestimmtes Ziel der nachhaltigen Entwicklung nachdachte. Dieses Ziel wurde für diesen Anlass durch ein Puzzleteil dargestellt: Von der sozialen Inklusion bis zur Reduzierung des Wasserverbrauchs, von der Bildung bis zur Gleichstellung der Geschlechter – die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben ihre Überlegungen zu den einzelnen Themen in kurzen Talks wiedergegeben und am Ende des Tages ein Puzzle zusammengestellt, Symbol für die Werte von Restore und – ganz allgemein – Ausdruck eines konkreten Engagements für Umwelt und Gesellschaft

„Das Wohlbefinden des Menschen und der Umwelt ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig“

„Mit dem Bau von Gebäuden, die mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen, machen wir bereits einen wichtigen Schritt nach vorne, aber das ist nicht genug. Wir müssen verstehen, dass das Wohlbefinden des Menschen und der Umwelt, in der er lebt, von einer Vielzahl von Faktoren abhängig ist. Deshalb“, unterstreicht Roberto Lollini, wissenschaftlicher Leiter des Projekts und Leiter der Arbeitsgruppe Technologien, „haben wir unseren Aktionsradius erweitert. Wir haben begriffen, dass ein effizientes Gebäude nicht nur mit den Beiträgen von Ingenieuren, Designern und Architekten entworfen und gebaut werden kann, sondern es auch jener von Medizinern, Biologen, Physiologen, Kognitionswissenschaftlern und Ökologen bedarf. Die Perspektive ist die einer Cross Contamination, die ein neues Leitbild des Bauens definieren soll.“

„Der NOI Techpark stellt eine Denkweise dar, die wirklich nachhaltig ist“

In der Tat macht ein regeneratives Gebäude sich nicht nur die natürliche Umwelt, die es umgibt, zunutze, sondern bereichert diese auch, weil es die Lebensqualität der Menschen, die im Haus leben, verbessert. Der Übergang von der Theorie zur Praxis wird in diesem Zusammenhang daher grundlegend, wie die 24 Teilnehmer der Restore Training School verstanden haben. Diese sind aus aller Welt – unter anderem aus Israel, Deutschland, Schweden, Frankreich, Polen, Serbien und Rumänien – nach Bozen gekommen, um das Thema „Regenerative Construction and Operation“ zu vertiefen. „Wir haben in den vier Bereichen Procurement, Construction, Operation und Future Life gearbeitet, dabei verschiedene Erfahrungen verglichen und mit den Teilnehmern zwei Best-Practice-Beispiele genauer betrachtet: das neue Headquarter von Markas und den NOI Techpark“, erklärt Giulia Peretti, wissenschaftliche Leiterin der Training School. „Der NOI Techpark“, unterstreicht Peretti, „repräsentiert die Werte, die wir mit dieser neuen Art des Bauens verfolgen wollen, hervorragend. Es handelt sich um ein Gebäude, das aus einer industriellen Wiedergewinnung entstanden ist, und in dem innovative Materialien mit einem sehr effizienten und fortschrittlichen Facility Management verwendet wurden. Es ist ein Ort, der die Begegnung zwischen verschiedenen Disziplinen fördert, der eine Denkweise darstellt, die wirklich nachhaltig ist.“

Die Bestätigung dafür kommt von einer der Teilnehmerinnen der Training School: Louise Hamot, eine junge französische Ingenieurin, die sich auf regenerative Projektierung spezialisiert hat. „Die Training School war mitreißend. Von Anfang an gab es einen äußerst zweckdienlichen Austausch mit den anderen Teilnehmern. Der Ort, der uns beherbergt hat, fasziniert mich sehr. Ich denke, dass es ist ein großes Glück ist“, sagt Louise Hamot, „in einer anregenden und zugleich einladenden Umgebung wie dem NOI Techpark arbeiten zu dürfen, wo augenscheinlich ist, dass die Natur mit ihren schönen Bergen zu nachhaltigen Innovationen inspiriert.“

Und während am Freitag, 15. März, mehr als 200.000 Jugendliche in Italiens wichtigsten Städten unterwegs waren, um ihre Stimme nach dem Beispiel der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg gegen den Klimawandel zu erheben, traf in Bozen das Management Committee von Restore zusammen, die Mitglieder des Projektmanagementausschusses, die aus 40 Ländern anreisten. „Wir haben die Halbzeit eines Programms mit großem Potenzial erreicht und sind entschlossen, dieses weiter zu steigern. Die Veranstaltungswoche in Bozen“, schließt Battisti, „hat gezeigt, wie wichtig es ist, Kompetenzen zu integrieren, um gemeinsames Wissen zu schaffen, das es uns ermöglicht, im Hinblick auf eine wirklich regenerative Zukunft Umweltanliegen auf immer effektivere Weise anzugehen.“ 

Fact Sheet

Das Beispiel des NOI Techpark

Der NOI Techpark in Bozen wurde mit dem „LEED Gold“-Zertifikat ausgezeichnet, welches die Nachhaltigkeit des gesamten Projekts garantiert. Die Fotovoltaikanlage des Black Monolith hat im Laufe des Jahres 2018 rund 200.000 kWh elektrische Energie produziert, soviel wie eine vierköpfige Familie in 70 Jahren verbraucht.