Kultur

21 März 2018IDM

Kino, Design, Architektur: Von wegen brotlose Kunst…!

Wirtschaft und Kultur sind sich selten grün: „Nichts zu verdienen“, sagen die Manager. „Wir lassen uns nicht von wirtschaftlichen Überlegungen einengen“, sagen die Kulturschaffenden. Südtirol ist ein Beispiel dafür, dass es auch anders geht, denn Südtirols Kultur-Unternehmen wachsen doppelstellig und mit dem IDM-Ecosystem „Film & Creative Industries“ bekommt die Kreativindustrie im Land ein neues Standbein.

Dass „brotlos“ zwangsläufig mit dem Begriff „Kunst“ einhergeht, ist eine Besonderheit der deutschen Sprache, die Situation in Südtirol spiegelt das Diktum aber nicht wider. Im Land wird ein Mehrwert von fast zwei Milliarden Euro mit Kultur erzielt, nicht weniger als 33.700 Arbeitsplätze verteilt auf 4936 Unternehmen sind diesem Bereich zuzurechnen. Diese Daten gehen aus dem „Io sono Cultura“-Bericht der Symbola-Stiftung hervor, für den im Jahr 2016 die Kreativwirtschaft in der Region Trentino-Südtirol unter die Lupe genommen wurde.

Im Vergleich zu anderen Regionen Italiens sind dies Spitzenwerte, etwa dann, wenn es um das wirtschaftliche Wachstum der Kreativwirtschaft geht: da rangiert die Region ganz im Norden des Stiefelstaates auf Platz zwei. Allein in den letzten fünf Jahren ist der durch kulturelle Aktivitäten geschaffene Mehrwert in Südtirol um 7,2 Prozent gestiegen, während sich das Wachstum im italienischen Schnitt bei 0,8 Prozent eingependelt hat. Beeindruckend ist das Wachstum auch dann, wenn man auf die einzelnen Bereiche schaut. Der Designbereich etwa weist ein Plus von 26,7 Prozent auf, der Bereich Videospiele und Unterhaltungs-Software gar eines von 39,7 Prozent, Kino, Radio und TV kommen auf ein Plus von 16,1 Prozent und die Architektur auf eines von 12,9 Prozent.

Die Kultur ist demnach in Südtirol alles andere als brotlos, sie schafft Mehrwert und Beschäftigung und ist zu einem wichtigen Standbein der heimischen Wirtschaft herangewachsen. Wichtige Impulse kommen dabei auch vom Land Südtirol, das die Kreativwirtschaft in die langfristige Wachstumsstrategie einbezogen hat – auch als Voraussetzung dafür, dass man auf die Fördertöpfe in Brüssel zugreifen kann.

Europäische Fördergelder sind eines, eine stetige Betreuung, Begleitung, Unterstützung und Beratung etwas anderes. Die übernimmt in Südtirol der öffentliche Wirtschaftsdienstleister IDM Südtirol, der der Kreativwirtschaft nun ein eigenes Ecosystem widmet. Bei einem „Get together“ im NOI Techpark in Bozen wurde das neue Ecosystem „Film & Creative Industries“ am 6. März dieses Jahres im Beisein aller Stakeholder auf den Weg gebracht: von Kulturschaffenden, Unternehmen und Organisationen im Kulturbereich, die schon bei dieser Gelegenheit Kontakte knüpfen und Netzwerkarbeit leisten konnten.

Kreativer heißt wettbewerbsfähiger

Die neue „kreative“ Task-Force des Sachbereichs Development bei IDM hat sich zwei Ziele gesteckt. Das erste ist, die Wettbewerbsfähigkeit der Südtiroler Kultur- und Kreativwirtschaft weiter zu steigern, das zweite, Kompetenzen, Know-how und Potential dieses besonderen Wirtschaftsbereichs auch anderen Bereichen zugutekommen zu lassen. Schließlich zahlt sich Kreativität in der Wirtschaft aus, sie zieht in alle Bereiche ein, denn: „Immer öfter müssen Produkte und Dienstleistungen einen doppelten Zweck erfüllen: sie müssen funktional sein sowie Werte und Gefühle transportieren“, so Romina Surace, Referentin beim „Get together“ und für den eingangs genannten Symbola-Report verantwortlich.

Surace nannte dafür eingängige Beispiele: Im Food-Bereich etwa werde die ästhetische Komponente immer wichtiger und Alessi habe gezeigt, dass man aus banalen Haushalts-Hilfsmitteln gefragte Designobjekte machen könne. „Und in Südtirol zeigt das KlimaHaus, dass man unterschiedlichste Notwendigkeiten wie Energieeffizienz und Funktionalität auf das Beste mit Ästhetik vereinbaren kann“, so Surace. Noch einen weiteren Vorteil bringe Kreativität: sie sorgt dafür, dass weder Produkte noch Menschen ersetzbar werden, kreative Jobs seien also solche, die Maschinen nicht übernehmen könnten.

Innovationspotential voll ausschöpfen

Weil die Kreativwirtschaft demnach Zukunft hat (und in Südtirol durchaus auch Tradition), leistet das neue Ecosystem Film & Creative Industries Anschubhilfe. „Die Kreativwirtschaft hat ein bemerkenswertes, noch ungenutztes Potential für Südtirols Wirtschaft und Innovationslandschaft“, erklärt Renate Ranzi, Koordinatorin des neuen IDM-Ecosystems und Ko-Koordinatorin der Film Fund & Commission von IDM. Ziel sei deshalb, alle heimischen Stakeholder in ein Netzwerk einzubinden und durch den Austausch originelle und innovative Ideen auf den Weg zu bringen.

Dass man dabei nicht ins Blaue zielt, dafür sorgt eine grundlegende Analyse, die IDM Südtirol mit dem Regionalentwicklungs-Institut von Eurac Research durchführen wird: „Im laufenden Jahr gilt es, eine Datengrundlage zu schaffen, damit wir darauf aufbauend Prioritäten setzen, gezielte Maßnahmen einleiten und die nächsten Schritte planen können“, so Ranzi. Zugleich versucht man im Rahmen des Interreg-Projekts „Europe Regional Creative Industries Alliance“ (RCIA), von anderen europäischen Regionen und deren Best-Practice-Beispielen zu lernen.

Visual Effects aus Meran: Cine Chromatix Italy angesiedelt

Ein besonderes Augenmerk gilt bei alledem weiterhin dem Filmbereich, der sich in den letzten Jahren in Südtirol enorm entwickelt hat – und auch weiterhin entwickelt. So siedelt sich der italienische Ableger der Berliner Visual-Effects-Schmiede Cine Chromatix in Meran an, wo man mit der heimischen Ammira Film zusammenarbeitet. „Der Trend geht immer mehr hin zu einer digitalen Postproduction und auf diese Entwicklung müssen wir vorbereitet sein“, so Ranzi. Die Ansiedlung eines renommierten VFX-Studios im Land sei daher ein wichtiges Signal für den gesamten Sektor.

Und der bleibt weiter ein dynamischer – dafür sorgt auch das neue IDM-Ecosystem: „In den nächsten Wochen werden wir weitere ,Get together‘ veranstalten, um den Austausch der Unternehmen, Kulturschaffenden und -organisationen zu fördern“, so die Koordinatorin. „Es geht um ein gelungenes Matchmaking.“

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