Innovationen

13 April 2018IDM

Vertical Innovation Camp: Wie man die Automotive-Branche revolutioniert

Augmented Reality, Predictive Maintenance und AI: Südtiroler Unternehmen und Talente aus der ganzen Welt revolutionieren in Bruneck die Zukunft der Automotive-Branche

Ein Innovationshub für den Automotive-Sektor im Herzen der Dolomiten? Wohl kaum jemand denkt bei Südtirol an einen Hotspot für die Automobilindustrie. Und doch, in einem von drei Autos weltweit ist Technologie aus der beschaulichen Alpenregion verbaut. Dass Südtirol in Sachen Mobilität ganz weit vorne mit dabei ist, wurde am vergangenen 22. und 23. März erneut bewiesen. Und zwar bei der ersten Auflage des «Automotive Vertical Innovation Camps», als genau hier — zwischen Dreitausendern, Apfelhainen und sanften Weinbergen — die Zukunft der Automotive-Branche neugestaltet wurde. Fast 50 Talente aus der ganzen Welt  — von  Studenten über Hochschulabsolventen bis hin zu Startuppern — sind hierfür nach Bruneck gereist, ins Zentrum des Südtiroler «Motor Valleys» , um Seite an Seite mit Experten neue und innovative Lösungen für den Automobilsektor zu entwickeln. Partner der Initiative — organsiert durch das Ecosystem Automotive der IDM Südtirol in Zusammenarbeit mit WhatAVenture — waren niemand geringeres als die 5 Gründer-Unternehmen des Netzwerks «Automotive Excellence Südtirol»: GKN Sinter Metals, GKN Driveline, Intercable, Alupress und Autotest. Zusammen beschäftigen diese mehr als 2.500 Angestellte in Südtirol und kommen auf einen Umsatz von 600 Millionen Euro pro Jahr. Nicht ohne Grund. Diese 5 Südtiroler Automotive-Unternehmen sind wichtige Zulieferer für einige der ganz Großen der Branche so wie Volkswagen BMW, Ferrari ,Tesla und Jaguar. 

«Von der Fabrik der Zukunft über das sogenannte Life Cycle Management von Autos und deren Bestandteilen bis hin zur Elektromobilität: Die Automobilindustrie unterliegt einem ständigen Wandel. Entsprechend groß sind die Herausforderungen für die Unternehmen, die in der Branche wettbewerbsfähig bleiben wollen — erklärte Hansjörg Prast, Direktor von IDM Südtirol —. Um auf dem Markt der Zukunft mithalten zu können, brauchen die Unternehmen innovative Ideen und den regen Austausch sowohl mit der Forschung als auch mit jungen Talenten». «Daher sind Projekte wie der hier in Bruneck entstehende Automotive – Technologiepark, oder eben Initiativen wie das Automotive Vertical Innovation Camp ungeheuer wichtig für die gesamte Branche —so Prast —. Zwei Tage lang konnten sich unsere heimischen Unternehmen hier mit den besten Köpfen des Sektors auseinandersetzen und an neuen Ideen feilen».

Die Mission: junge Talente fördern!

Ziel des Innovation Camps war es aber nicht nur, der Automobilindustrie neue Impulse zu geben. Im Zentrum der Veranstaltung stand auch das Recruiting von jungen Talenten. Diesen sollte das Camp Zugang zu den führenden Unternehmen der Branche verschaffen und —letztendlich natürlich auch — die Chance auf ein Jobangebot. Deutschland, England, Polen, Griechenland, Spanien, China und Indien: aus über 15 Ländern kamen die Studenten , Absolventen und Startupper nach Bruneck, um gemeinsam mit anderen Talenten und führenden Experten die Zukunft des Sektors zu revolutionieren. Hierzu haben sich die Talente – spezialisiert in Robotik, IoT, künstlicher Intelligenz, Augmented Reality und vielen weiteren Bereichen — in insgesamt 14 Teams zusammengetan, wobei in jeder Gruppe auch ein Experte der 5 Unternehmen vertreten war. «In den letzten zwei Tagen haben wir nicht nur tolle Projekte gesehen, sondern auch einige vielversprechende Kandidaten kennengelernt und diese ”live“ bei der Arbeit erleben können. Ganz sicher werden wir mit dem einen oder anderen Talent in Kontakt bleiben» so Hannes Mahlknecht, CEO von Alupress, führender Hersteller von Komponenten und Systemen im Aluminium-Druckguss mit Sitz in Brixen.

Nicht nur Studenten und Absolventen, auch Startupper waren unter den Teilnehmern. Ihr Ziel: den Unternehmen ihre innovativen Lösungen und Dienstleistungen vorzustellen und  — warum auch nicht  — den ein oder anderen neuen Kunden zu gewinnen. «Südtirol ist ganz vorne mit dabei im Automotive-Sektor und die Unternehmen, die hier angesiedelt sind, beliefern einige unserer wichtigsten Kunden in Deutschland wie Bmw, Audi und Volkswagen. Dann sind wir in München nur einen Katzensprung entfernt. Alles Gründe, weshalb wir uns entschieden haben, beim Innovation Camp teilzunehmen und uns den Leadern der örtlichen Branche zu präsentieren» erzählte Felix Meißgeier, Co-founder und Head of Technology von Viscopic, ein junges deutsches Start-up, das sich auf Lösungen für den Einsatz von Augmented Reality in der Industrie spezialisiert hat.

Zwei Tage ganz im Sinne des Mottos: «Co-create the future of mobility».

Aber das war noch nicht alles. Die jungen Teilnehmer haben gleichzeitig noch in kurzen Input-Sessions nützliche Tipps zum Thema Business Modelling und Ideenentwicklung bekommen. Am letzten Tag des Camps wurden dann die erarbeiteten Projekte vorgestellt. Mit dabei waren Ideen zum Thema Connected Supply Chain, zur Verwendung von Daten für die Predictive Maintenance (Vorausschauende Wartung) von Produkten und Produktionslinien sowie zum Einsatz von Augmented Reality (erweiterte Realität) für Trainingszwecke innerhalb der Produktion. Am meisten überzeugt war die Fachjury — bestehend aus den Geschäftsführern der 5 Unternehmen, Experten von IDM und namhaften Spezialisten aus dem restlichen Italien — von einer Lösung, die es Carsharing-Unternehmen ermöglicht, die Instandhaltungskosten für ihre Flotten zu reduzieren, und das dank einer App, die das Fahrverhalten der Nutzer prüft. «Ob wir uns vorstellen können hier in Südtirol zu leben und zu arbeiten? Klar, warum nicht! — lächelte Sitian Li, eine junge Chinesin, die zurzeit Elektrotechnik in München studiert und Teil des Siegerteams war —. Südtirol hat sich als eine wirklich innovative und spannende Location erwiesen. Nicht nur weil hier Automotive-Unternehmen sitzen, die weltweit ganz vorne mit dabei sind, sondern auch weil die Gegend landschaftlich total viel zu bieten hat. Eine wirklich attraktive Region, die es lohnt, näher kennenzulernen». Den zweiten Platz beim Automotive Vertical Innovation Camp machte eine Lösung, die —basierend auf einer Reihe von Algorithmen — aus Maschinendaten Fehler vorhersehen kann. Dritter wurde ein Virtual-Reality-Tool, welches das Training mit komplexen Maschinen realistisch simuliert.