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29 Mai 2018IDM

Elektromobilität: Strom tanken im Expresstempo mit Ladesäule aus Südtirol

In Meran öffnete vor Kurzem eine der europaweit ersten Schnellladestationen mit bis zu 300 kW Leistung. Weniger als 30 Minuten braucht der Hypercharger von alpitronic, um Elektroautos aufzuladen. Getestet wurde das innovative Gerät von Eurac Research in der Klimakammer am NOI Techpark

Was den zwei Meter hohen Hypercharger von den derzeit auf dem internationalen Markt erhältlichen Ladesäulen unterscheidet? Sein geringes Volumen und, vor allem, seine Leistungsfähigkeit. Die neuartige Ladesäule von alpitronic — Südtiroler Top-Unternehmen für Leistungselektronik — ist nämlich in der Lage, Elektroautos im Expresstempo aufzuladen. Weniger als eine halbe Stunde beträgt die Ladezeit von Modellen der neuen Generation, sprich Elektroautos, die in den kommenden Monaten auf den Markt kommen werden. Konventionelle Schnellladesäulen brauchen derzeit noch etwa anderthalb Stunden. 

Vor Kurzem feierte der Hypercharger seine Markteinführung, und zwar in Meran, wo Südtirols Energiedienstleister Alperia die erste Ladesäule dieser Art in Betrieb genommen hat. Es handelt sich hierbei um die erste hyper fast Ladestation in Italien und eine der Ersten in Europa, die mit einer Leistung von 150 kW bis maximal 300 kW Elektrofahrzeuge lädt. In Zukunft soll die kompakte und leistungsstarke Ladesäule nämlich auch Busse und Lkws mit Energie versorgen können. Mit dem Hypercharger von alpitronic wird das Ladenetz von Alperia in Südtirol mit derzeit mehr als 100 Ladepunkten nun also noch smarter. 

Getestet wurde der Hypercharger von Eurac Research — Institut für angewandte Forschung mit Sitz in Bozen — in einer hochmodernen Klimakammer am NOI-Techpark: insgesamt 400 Stunden lang und unter extremen klimatischen Bedingungen prüften die Forscher Funktionalität und Widerstandsfähigkeit des innovativen Produkts. 

Tests bei Temperaturen von -30 bis +55 Grad

Für die Tests nutzen die Forscher von Eurac Research das sogenannte „Accelerated Life Testing Lab“, in dem beschleunigte Lebenszyklen von Industrieprodukten wie Fotovoltaikmodulen, Kunststoffen und elektronischen Komponenten simuliert werden können, um zu beurteilen, wie sich ihre Leistungsfähigkeit im Verlauf der Nutzungsdauer ändert. „Diese Tests sind für uns sehr wichtig, weil wir dadurch überprüfen können, ob unser Produkt den sektorspezifischen Normen entspricht“, erklärt Philipp Senoner, Geschäftsführer von alpitronic. 

„Wir haben die Funktionalität des Prototyps getestet und geprüft, ob sich einzelne Komponenten wie zum Beispiel das Display verändert, wenn das Gerät verschiedenen, extremen Umweltbedingungen ausgesetzt ist“, erklärt Giorgio Belluardo, Forscher am Institut für erneuerbare Energien von Eurac Research, welches die Tests am NOI Techpark durchführte. „In unserem Labor haben wir das Produkt an mehreren Tagen Temperaturen von plus 55 Grad bis minus 30 Grad und einer variablen Luftfeuchtigkeit von bis zu 95 Prozent ausgesetzt. Schließlich haben wir auch getestet, wie sich eine starke Bestrahlung von bis zu 1250 W/m2 über einen längeren Zeitraum auf die Widerstandsfähigkeit des Hyperchargers auswirkt.“ Die Forscher von Eurac testeten die Schnellladesäule im ausgeschalteten Zustand, im Stand-By-Modus und beim Aufladen eines Elektrofahrzeuges mit unterschiedlicher Ladeleistung bis zu maximal 150kW. 

 „Vergangenen Oktober sind wir mit unseren inzwischen über 100 Mitarbeitern und den diversen Labors in den NOI-Techpark umgezogen. Die Labors sind nach dem Wiederaufbau und der Kalibrierung nun wieder voll funktionsfähig. Moderne Technik und hochqualifiziertes Personal erlauben uns, immer häufiger mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, neue Produkte zu entwickeln und Qualitätskontrollen durchzuführen“, erklärt Wolfram Sparber, Leiter des Instituts für erneuerbare Energien von Eurac Research. 

So funktioniert das Tanken mit dem Hypercharger

Der Ladevorgang mit dem neuen Hypercharger ist ganz einfach: Alperia Kunden können ihr Elektroauto einfach mit ihrer Ladekarte oder über die App fürs Smartphone aufladen. Das Aufladen ist zudem über ein innovatives Softwaresystem, entwickelt von Siemens Italien, möglich, indem die Zahlung direkt mit Kreditkarte oder über PayPal abgewickelt wird. Der hypercharger ist mit zwei Ladekabeln ausgestattet, damit zeitgleich zwei Elektroautos geladen werden können.