Green

11 Januar 2019IDM

Südtirols neueste „grüne“ Herausforderung: Marmorabtransport mit Wasserstoff

Im Nationalpark Stilfserjoch startet ein Projekt zur Verringerung der Auswirkungen auf die Umwelt beim Abtransport der Marmorblöcke, dem „weißen Gold aus dem Vinschgau“, aus den Steinbrüchen in der Gegend

Der Nationalpark Stilfserjoch, ein einzigartiges Naturerbe, ist die Wiege einiger der wichtigsten Marmorabbaustätten der Welt. Und bald wird hier auch ein neues Südtiroler Best-Practice-Beispiel umgesetzt werden, mit dem das Land den eingeschlagenen Weg weiter geht und sich mehr und mehr als „Green Region“ Italiens und Europas profiliert. Deshalb hat die Landesregierung kürzlich einen Beschluss verabschiedet, mit dem sie die Voraussetzungen dafür geschaffen hat, den Abtransport des Marmors aus den bestehenden Steinbrüchen ins Tal moderner und umweltfreundlicher zu gestalten. Derzeit wird der Marmor hauptsächlich durch dieselbetriebene Transportmittel befördert, also nicht sehr „green“. In Zukunft aber möchte man – auch dank der Unterstützung der Europäischen Union – ein Transportsystem auf Wasserstoffbasis entwickeln. Deshalb haben die Betreiber der Brüche eine Absichtserklärung unterzeichnet, mit der sie sich verpflichten gemeinsam mit dem Land Südtirol die Logistik bei der Marmorgewinnung in der Gegend zu verbessern. Genaugenommen handelt es sich um das Gemeindegebiet von Laas im Vinschgau, wo es seit 1982 auch eine Berufsfachschule für Steinmetze und Steinbildhauer gibt, in der die alten Traditionen weitergegeben werden, indem die Techniken der Steinbearbeitung vermittelt werden. Der in diesem Territorium gewonnene Marmor ist von seltener Reinheit und in der ganzen Welt berühmt, sodass er nicht nur für den Bau von Kirchen und in der Bildhauerei verwendet wird, sondern beispielsweise auch in der neuen U-Bahn-Station von Ground Zero in New York verwendet wurde.

Das kostbare metamorphe Kalkgestein, auch „weißes Gold aus dem Vinschgau“ genannt, kommt an der Nordostflanke der Ortlergruppe vor, während am Fuße des Berges, nahe dem Dorf Laas, das dem Stein seinen Namen gibt, riesige Blöcke aus Marmor stehen, die noch mit den alten Techniken gewonnen werden. Im Gemeindegebiet von Laas befinden sich mehrere Marmorbrüche, u.a. der Weißwasserbruch, der Tarnellerbrückebruch und der Nesselwandbruch auf rund 1.567 Metern Meereshöhe, wo ganzjährig gearbeitet werden kann. Diese drei Brüche sind Eigentum der Eigenverwaltung Laas, sie wurden bis Ende des Jahres 2033 an die Lasa Marmo GmbH verpachtet. Die hier abgebauten Rohblöcke werden mit einer Materialseilbahn zur Transportbahn „Laaser Tal“, von dort über die Schrägbahn zur Transportbahn „Tal“ und von dort zum Werksgelände transportiert. Die Kapazität dieser 88 Jahre alten, dieselelektrisch betriebenen Technik wurde wegen Materialermüdung und aufgrund der geltenden Sicherheitsbestimmungen von ehemals 40 Tonnen auf 18 Tonnen pro Fahrt begrenzt. Deshalb müssen derzeit zusätzlich dieselbetriebene Lastwagen für den Abtransport eingesetzt werden. 

Die Zufahrtsstraße zum Stilfserjoch

Ebenfalls im Gemeindegebiet von Laas liegen der Jennwandbruch, der Madstehlenbruch und der Zirmwandbruch auf einer Höhe von rund 2.228 Metern. Die Abbaurechte hat hier die Lechner Marmor AG. Der Göflaner Marmorbruch dagegen befindet sich im Gemeindegebiet von Schlanders auf einer Höhe von circa 2.220 Metern; er ist Eigentum der Göflaner Alpengenossenschaft und Eigenverwaltung Göflan und bis September 2033 an die Göflaner Marmor GmbH verpachtet. Im Göflaner Bruch kann der Abbau nur in den Sommermonaten erfolgen; der hier gewonnene Marmor wird ausschließlich mit Lastkraftwagen zu Tal gebracht. 

Doch in Zukunft soll der Abtransport des Marmors nach modernsten Technologien und möglichst emissionsfrei über die Straße erfolgen, und zwar mit wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen. Diese Art von Abtransport soll auch als Grundlage für eine nachhaltige und umweltschonende industrielle Tätigkeit im Nationalpark Stilfserjoch und die mögliche Entwicklung eines emissionsfreien Abbaus des Marmors dienen. Ein weiteres Ziel im Rahmen dieses Projektes ist es, die weitum bekannte Schrägbahn in der Gemeinde Laas, die die schweren Marmorblöcke ins Tal transportiert, sowie die dortigen Marmorthemenwege vermehrt auch touristisch zu nutzen. 

Um diese Vorhaben zu verwirklichen, wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich aus Vertretern aller Beteiligten – der öffentlichen Verwaltungen, der Unternehmen, des Nationalparks Stilfserjoch und des Instituts für Innovative Technologien Kons. GmbH (IIT Bozen) – zusammensetzt und vom Ressort für Land- und Forstwirtschaft, Zivilschutz und Gemeinden des Landes Südtirol unter der Leitung von Landesrat Arnold Schuler und Abteilungsdirektor Klaus Unterweger koordiniert wird. Die Gruppe hat die Aufgabe, das Projekt rund um das „weiße Gold von Laas“ auszuarbeiten, das dazu beitragen wird, das Südtirol noch „grüner“ wird.