Innovationen

19 Juni 2018IDM

Südtiroler Avantgarde im Big Apple

Das Bozner Unternehmen Stahlbau Pichler und Zaha Hadid Architects setzen sich mit dieser innovativen Fassade ein Denkmal in einem der hippsten Viertel von New York

Es ist ein Gebäude, das man nicht übersehen kann. Ein Projekt, in dem Glas, Aluminium und Stahl miteinander kommunizieren – dank innovativer technologischer und ingenieurtechnischer Lösungen made in Südtirol. Die Rede ist von „520W 28th Street“, einem der letzten Werke der 2016 verstorbenen Stararchitektin Zaha Hadid. Eine bewohnte Skulptur, mitten in einem der angesagtesten Kunst- und Kreativviertel New Yorks, die aus den Trassen der ehemaligen High Line von Manhattan zu wachsen scheint. Hier, auf dem Areal einer stillgelegten Güterzuglinie, ist im vergangenen Jahrzehnt eine attraktive Parkanalage entstanden, der Zaha Hadid Architects in Zusammenarbeit mit dem Bozner Unternehmen Stahlbau Pichler GmbH gewissermaßen das Sahnehäubchen aufgesetzt haben. Wenn auch die futuristische Handschrift der großen Architektin ganz andere Bilder suggeriert. Allen voran dank der unverwechselbaren Fassade des Luxus-Appartement-Gebäudes mit 39 Residenzen. 5000 Quadratmeter Fläche, in dynamische Skulpturen aus metallenen Halbreliefs gegliedert – eine Ästhetik, die ganz dem dynamischen Geist des Viertels entspricht. Und eine Herausforderung, die wie geschaffen für Stahlbau Pichler schien. Schließlich ist das vor vier Jahrzehnten als Handwerksbetrieb gegründete Bozner Unternehmen heute international als idealer Partner für die Umsetzung anspruchsvoller Stahlkonstruktionen und Vorhangfassaden gefragt. 

Doch selbst für die Südtiroler Profis war der Bau im Zentrum von Manhattan bereits von den ersten Zeichnungen an etwas Besonderes, schwärmt Designmanager Harald Spitaler, der das Prestigeprojekt während seiner gesamten Dauer begleitet hat. „Das Endergebnis hat dann alle Erwartungen übertroffen, nicht nur unsere, sondern auch jene des Architekturbüros“, sagt er. Denn „520W 28th Street“, auch als Zaha Hadid Building bekannt, vereint viele Superlative. Von der außerordentlichen Umgebung über den visionären Geist der Stararchitektin bis hin zu den ingenieur- und bautechnischen Hochseilakten, die Stahlbau Pichler für die Umsetzung des Prestigeprojekts vollführte. Eine fordernde wie mitreißende Aufgabe, wie Harald Spitaler erzählt. Bei der es galt, scheinbar widersprüchliche Qualitäten miteinander zu vereinen. Widerstand und Transparenz, Geometrie und freie Form, Präzision und Kreativität. 

Gläserne Weltpremiere 

Gelingen konnte das auch dank BIM (Building Information Modeling), der digitalen Avantgarde in der Bauwerksdatenmodellierung. Ein System, mit dem man bei Stahlbau Pichler die unterschiedlichen Gewerke und Profis, die am Bau beteiligt sind, miteinander vernetzt. So können neben allen Berechnungen zum Baukörper selbst beispielsweise auch energetische und akustische Leistungen des Endprodukts bereits in der Planungsphase präzise und genau kalkuliert werden. Dank dieses Systems gelang es den Technikern von Stahlbau Pichler die Anforderungen in Sachen Design, Privacy und Sicherheit optimal zu vereinen – nicht zuletzt mit 200 automatisch steuerbaren Fenstern, die sich horizontal zur Fassade öffnen lassen und dennoch eine Einheit mit dem statischen Teil des Glaskörpers bilden. Eine innovative Lösung, die weltweit erstmalig umgesetzt wurde. „Unsere eleganten und fließend wirkenden elektrischen Fenster fügen sich perfekt in die Gesamtkonstruktion ein und rahmen ganz gemäß dem Wunsch der Auftraggeber die atemberaubende Sicht auf die Stadt ein“, sagt Spitaler.

Hergestellt wurde die aufwändige Fassade laut dem Designmanager von Stahlbau Pichler ausschließlich am Hauptsitz des Unternehmens in Südtirols Landeshauptstadt, wobei dennoch die US-Zertifizierungsstandards ASTM und AAMA eingehalten wurden.  Ein Team aus 12 Personen wurde 18 Monate für das Projekt abgestellt. Beeindruckend ist auch der Materialeinsatz: 125.000 Kilogramm Aluminium, 10 Tonnen Stahl, 2800 Quadratmeter an Glasfläche, davon 40 Prozent geformtes Glas, und 350 Quadratmeter gebogenes Isolierglas. Nach Abschluss der Produktion wurde die fertige Fassade via Schiff nach New York transportiert. 

Damit war das Abenteuer aber noch nicht beendet. Um den rigiden US-Sicherheitsbestimmungen zu entsprechen, musste die Fassade noch einer spektakulären Prüfung unterzogen werden, bei der ihre Belastbarkeit bei Wind und anderem extremen Druck mittels eines Flugzeugmotors mit einer Potenz von 2500 PS getestet wurde. Eine Anforderung, die bislang bei keinem der vielen Fassadenprojekte aus dem Hause Stahlbau Pichler gestellt worden war. „Doch auch dies war eine interessante Erfahrung, aus der wir zusätzlich etwas lernen konnten“, erzählt Harald Spitaler. Seine Bilanz des außergewöhnlichen Auftrags? „Es sind Aufträge wie dieser, die unsere Arbeit so spannend machen.“ Und auch in diesem Fall sei es Stahlbau Pichler gelungen, das besondere Etwas umzusetzen, das sich die Auftraggeber gewünscht haben: „Dank der Kompetenz unserer Mitarbeiter und der großen Südtiroler Stärke – der Mischung aus italienischer Kreativität und deutscher Präzision.“