Smart mobility

6 Februar 2019IDM

E-Bike-Sharing und autonom fahrende Shuttlebusse: Tests starten in Italien und der Schweiz

Im Rahmen des Projekts „Mentor“ werden neue Formen der Mobilität erprobt. Dabei wird auch der Open Data Hub des NOI Techpark seine Unterstützung geben

Die Suche nach neuen Alternativen zur Nutzung des Privatautos und der Versuch, die öffentliche Mobilität flexibler und nachhaltiger zu gestalten – mit diesen Zielen wurde im Oktober 2018 in Meran „Mentor“ vorgestellt, ein Projekt, das technologische Innovationen in das bestehende Mobilitätsangebot integrieren möchte, indem nach „grünen" und effizienten Lösungen gesucht wird. Nun macht diese Initiative die ersten Schritte Richtung Realisierung ihrer Vorhaben. Projektpartner sind der NOI Techpark, die Gemeinde Meran, die Schweizer Gemeinde Brig-Glis, das Schweizer Verkehrsunternehmen Postauto und SASA. Die Tests werden unter freiem Himmel durchgeführt werden. Denn die verschiedenen Ideen und Lösungen, die von den Teilnehmern am Projekt erdacht wurden, werden auf der italienischen Seite in Meran und für den Schweizer Part in Brig-Glis, einer kleinen Grenzgemeinde im Kanton Wallis, umgesetzt.

Am Donnerstag, 24. Januar, und Freitag, 25. Januar, trafen sich die Delegationen der Projektpartner aus der Schweiz und Südtirol in Meran zum offiziellen Kick-Off-Meeting. Dabei wurden gemeinsam der Status quo ermittelt sowie nächsten notwendigen Schritte definiert. Bei diesem Treffen stand insbesondere der NOI Techpark in der ersten Reihe, der – vertreten durch Roberto Cavaliere von der Abteilung Digital Technolgies ITC – den präsentierten Ideen einen wichtigen Impuls geben wollte, indem er dem Projekt Mentor den Open Data Hub zur Verfügung stellt. Dieser ist eine zentralisierte Plattform für die Erfassung, Verarbeitung und Verteilung von Daten. Der Open Data Hub, der Daten über öffentliche Mobilität, Verkehr, Parken, E-Mobilität und vieles mehr sammelt, wurde speziell entwickelt, um Produkte und Anwendungen der neuen Generation im Verkehrssektor zu schaffen. Diese sollen dem Endverbraucher einen Mehrwert bieten und auf seine Bedürfnisse im Bereich der Mobilität eingehen. „Mentor“ stellt nun eine weitere Möglichkeit dar, den Hub durch die Integration neuer Datensätze weiter auszubauen.

Die Delegationen der Projektpartner im NOI Techpark

Die Vorschläge

Unter jenen, die während des zweitägigen Meetings in Meran Ideen und Lösungsansätze vorgestellt haben, waren auch Experten von Postauto, einem Unternehmen, das bereits innovative Lösungen wie den „Bus auf Abruf“, das Fahrradmobilitätsprojekt PubliBike oder Testfahren mit autonom fahrenden Shuttlebussen, also solchen ohne Fahrer, umgesetzt hat. Die Postauto-Mitarbeiter präsentierten interessante Anregungen und Informationen über Modelle, die auch in der Passerstadt Anwendung finden könnten. Neue Blickwinkel eröffnet hat vor allem das Produkt „Sorglos Mobil" mit seinem Flatrate-Paket für die Nutzung aller zur Verfügung stehenden Mobilitätsdienste, einschließlich Car-Sharing. „Sorglos Mobil“ ist ein Beispiel für die konkrete Umsetzung des neuen Konzepts „Mobility-as-a-Service".

Einer der interessantesten Aspekte des Projekts „Mentor“ betrifft das Ziel, anfangs eine Studie zum Erkennen von häufigen Bewegungsmustern von Pendlern und Besuchern in Meran und Brig-Glis zu erstellen – in einer noch nie dagewesenen Detailgenauigkeit und mithilfe von Sensoren zum anonymen, nicht invasiven und kostengünstigen Monitoring. 

„Die Forschungsfrage, die das Projekt zu beantworten versucht, ist einfach: Welches den öffentlichen Nahverkehr ergänzende Mobilitätsangebot ist in kleinen alpinen Zentren notwendig, um Menschen – trotz ihrer komplexen Bedürfnisse – davon zu überzeugen, ihr Privatfahrzeug nicht mehr zu benutzen?", erklärt Cavaliere und ergänzt: „Die Antwort wollen wir anhand von drei tragenden Säulen geben: 1. die Erprobung flexibler öffentlicher Mobilitätsangebote, das heißt, von solchen, die ihre Streckenführung dynamisch und „on demand” anpassen, sodass Dienstleistungen nur bei einer bestehenden Nachfrage von Nutzern durchgeführt werden, und zwar mit einer Perspektive zur Nutzung von kleinen, autonom fahrenden Fahrzeugen; 2. die Erprobung eines innovativen Bike-Sharing-Konzepts, das auf die Bedürfnisse in alpinen Gegenden ausgerichtet ist und dank der heutigen Möglichkeiten moderner E-Bikes erweitert wurde; und schließlich eine Car-Pooling- bzw. Ride-Sharing-Plattform, die es ermöglicht, diejenigen, die eine Mitfahrgelegenheit anbieten, und diejenigen, die eine alternative Transportmöglichkeit suchen, in Echtzeit, Fahrten zu ‚teilen‘."

Doch all das reicht nicht: Es braucht noch einen „Motor“, der imstande ist, dieses ganze  Angebot zu integrieren und den Nutzern auf einfache Art und Weise – und stets auf dem neuesten Stand – die verschiedenen Möglichkeiten von A nach B zu gelangen, anzeigt. Dafür sollen Open-Source-Lösungen verwendet werden, die in Nordeuropa, aber beispielsweise auch in Turin bereits verbreitet sind. Dadurch kann die wertvolle Zusammenarbeit der internationalen Community von Entwicklern und Nutzern dieser Tools ausgebaut werden.