Food

20 Juli 2018IDM

Südtirol als Modellregion für eine nachhaltige Lebensmittelpolitik

EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis zu Besuch im NOI Techpark: „Südtirol macht im Bereich Food vor, wie eine Region die EU-Politik in Richtung mehr Nachhaltigkeit beeinflussen kann“

Qualität und Regionalität : Zwei europaweite Trends im Food-Sektor, bei denen Südtirol seit jeher die Nase vorn hat. In den NOI Food Labors wird dieses Stärkefeld weiter ausgebaut – unter anderem mit der Entwicklung innovativer Lebensmittel aus regionalen Rohstoffen. Doch auch auf politischer Ebene gibt es das ehrgeizige Ziel, die nördlichste Provinz Italiens zu einer europaweiten Vorreiterin in Sachen nachhaltiger Lebensmittelproduktion zu machen. Das wurde im Juni bei einem hochrangigen Besuch im NOI Techpark deutlich, wo der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Vytenis Andriukaitis an einer Fachtagung zum Thema „Towards a sustainable Eu food chain“ teilnahm. 

Im Mittelpunkt der Diskussion stand dort ein ehrgeiziges Konzept für eine nachhaltige EU-Lebensmittelpolitik: Eine 360-Grad-Vision, die Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher bereits im Jahr 2017 im Ausschuss der Regionen in Brüssel präsentiert hatte. Die Ziele, die Südtirol damit vorangetrieben sehen will, umfassen ein breites Paket an Maßnahmen: von der nachhaltigen Herstellung mit kurzen Produktionsketten bis zur Förderung von kleinbäuerlichen Strukturen oder höherer Biodiversität und Tierschutzstandards; von der Erziehung zu gesunder Ernährung bis zur gesetzlichen Möglichkeit für öffentliche Verwaltungen, beim Einkauf regionalen Produkten den Vorzug zu geben. Um die allseits geforderte Regionalität zu fördern, sollen auch bürokratische Hürden für die Vermarktung lokaler Lebensmittel reduziert werden oder die Umweltauswirkungen des Nahrungsmittelsystems vor Ort überwacht werden – von lokalen Gremien, die Initiativen zu Förderung der regionalen Lebensmittel anstoßen und verfolgen.

EU-weites Pilotprojekt made in Südtirol

Ideen, die auch den EU-Kommissar begeistern. Andriukaitis sprach sich im NOI Techpark für kürzere Produktionsketten und einen besseren Zugang von ökonomisch benachteiligten Bevölkerungsschichten zu qualitativ hochwertigen Lebensmitteln aus. Vor allem aber stellte er in Aussicht, dass die Vorschläge von Südtirols Landeshauptmann als ein EU-Pilotprojekt lanciert werden könnten. „Es besteht die Notwendigkeit, sofort aktiv zu werden – und ein Pilotprojekt ist die Lösung dazu", erklärte Andriukaitis. Die Green Region Südtirol sollte in jedem Fall Teil davon sein – und beispielsweise damit beginnen, in Schulen und Krankenhäusern nur natürliche, regionale Lebensmittel zu verwenden.  

Südtirol sei ein gutes Beispiel dafür, wie die Politik über die Gesetzgebung Nachhaltigkeit fördern kann, lobte der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Bestätigung für die Vorreiterroller der Green Region im Bereich nachhaltige Lebensmittelproduktion fand er im Rahmen seiner Südtirol-Visite auch beim Besuch einer weiteren lokalen Hochburg der Lebensmittelforschung: dem Versuchszentrum Laimburg. Dort gab der Südtiroler Landesrat für Landwirtschaft Arnold Schuler einen Einblick in die Besonderheiten der kleinstrukturierten lokalen Landwirtschaft. Ein Erfolgsmodell, das auf einem gut funktionierenden Genossenschaftsmodell, einer engen Verzahnung von landwirtschaftlicher Forschung, Produktion und Ausbildung sowie einer konsequenten Qualitätsstrategie beruhe, dank der die Preise in der Wein- aber auch der Milchwirtschaft deutlich über dem EU-Schnitt liegen. Vor allem das gewachsene Bewusstsein für ökologische Fragen stellt Südtirols Landwirtschaftspolitik laut dem Landesrat nun aber vor neue Herausforderungen und Chancen – für die es mehr denn je wissenschaftliche Forschung und Versuchstätigkeit braucht.