Forschung

8 November 2018IDM

Baumaterialien und Lebensmittel – zwei neue Labors, um in alle Richtungen zu forschen

Das Land Südtirol sieht Investitionen in Höhe von 9,3 Millionen Euro vor. Die Eurac richtet – erstmals in Italien – ein Labor ein, um die hygrothermischen Eigenschaften von Baumaterialien zu testen

Ein modernes Labor für sensorische Analysen im Lebensmittelbereich und eines, um die hygrothermischen Eigenschaften von Baustoffen zu testen: Dank dieser beiden neuen Einrichtungen will der NOI Techpark, Südtirols Zentrum für Innovation und Forschung, in Zukunft noch weiter wachsen. Beide Labors werden Anfang 2019 ihre Tätigkeit aufnehmen. Und die Erwartungen sind bereits entsprechend hoch. Immerhin hat die Autonome Provinz Bozen 9,3 Millionen Euro bereitgestellt, um Südtirols Kompetenz als Forschungsstandort auszubauen. Darüber hinaus wurde ein dreijähriger Kooperationsvertrag mit der Universität Bozen, mit Eurac Research, dem Versuchszentrum Laimburg und Eco Research abgeschlossen, wobei die beiden neuen Labors einen wichtigen Teil des Abkommens darstellen.

Äpfel, Speck, Milchprodukte: Forschung an regionalen Lebensmitteln

Um den Forschungs- und Entwicklungsbedürfnissen der Südtiroler Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion gerecht zu werden, wird das Versuchszentrum Laimburg am Hauptsitz in Pfatten (BZ) ein Labor für Sensorik und Konsumentenanalyse einrichten. Das Labor ist Teil des größeren Projekts „SensLab“ und wird eng mit dem NOI Techpark zusammenarbeiten. Es soll die bestehende Forschungstätigkeit der Südtiroler Land- und Ernährungswirtschaft stärken. Desweiteren soll es den Betrieben und den Institutionen im Land eine Infrastruktur auf dem neuesten Stand der Technik sowie hoch qualifiziertes Personal zur Verfügung stellen.

Bisher hat sich die Forschungsarbeit auf Äpfel und Apfelsäfte konzentriert. Im neuen Labor kann die Tätigkeit nun auf andere Lebensmittel wie Speck und Milchprodukte ausgeweitet werden. Ziel ist es, die Produktionsprozesse im Lebensmittelbereich zu optimieren und neue Produkte zu entwickeln – um den Bedürfnissen der Konsumenten gerecht zu werden, aber auch um eine nachhaltige Entwicklung des regionalen Lebensmittelsektors zu garantieren. „Als feste Einrichtung des NOI Techparks arbeitet das Labor für sensorielle Analyse eng mit allen Akteuren des Food Bereiches im NOI zusammen“, sagt Angelo Zanella, Leiter des Instituts für Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie am Versuchszentrum Laimburg. „Auch werden die Erkenntnisse rasch und effektiv an alle Betriebe der Branche weitergereicht.“

Hygrometrisches Testen von Baustoffen 

Das Hygrothermal Testing Lab der Eurac (auch HyLab genannt) konzentriert sich dagegen auf die Messung der thermischen und hygrometrischen Eigenschaften von Baustoffen. Das Labor gliedert sich in drei Bereiche, die sich jeweils mit Materialien, Simulationen und Monitoring befassen. Zur Ausstattung gehören moderne Instrumente wie Analysenwaagen, Trockenschränke, Druckköpfe und Vakuumpumpen. Hier können Unternehmen die Dichte, die spezifische Wärme, die Dampfdurchlässigkeit, die thermische und hydraulische Leitfähigkeit von Materialien sowie ihre Feuchtigkeitsabsorptionskurve unter unterschiedlichen hygroskopischen Bedingungen messen. Es lassen sich aber auch Kalibrierungsexperimente durchführen. Zudem kann die Leistung der Produkte auf die gesetzlichen Anforderungen hin getestet werden. Und: Im HyLab sollen künftig auch innovative Materialien entstehen.

„Das HyLab“, erklärt Marco Larcher, leitender Forscher der Eurac, „ist das erste Labor in Italien und eines der wenigen auf internationaler Ebene, das ein detailliertes hygrometrisches Testen von Baustoffen ermöglicht und den Unternehmen einen erstklassigen Service bietet.“ 

Dank der Professionalität seiner Forscher und der direkten Vernetzung mit der Wirtschaft steht der NOI Techpark vor einem entscheidenden Quantensprung. Alle lokalen Akteure sind aufgefordert, die Kräfte im Zeichen der Forschung zu bündeln. Dabei gilt es, das „Capacity-Building“-Programm zur Kompetenzentwicklung zu unterstützen. Es soll, gemeinsam mit dem Ausbau der Forschungseinrichtungen, innovative Lösungen für die lokale Wirtschaft generieren. In genau diese Richtung gehen zurzeit, neben den beiden neuen Labors, auch die Studie der Universität Bozen zur Abdrift von Pestiziden in der Landwirtschaft und das Projekt für die Sicherheit von Traktoren auf steilen Hängen. 

Investitionen in Höhe von 9,3 Millionen Euro

Was die Ressourcen anbelangt, erhält die Eurac für die Labors des terraXcube, für das Labor für erneuerbare Energien und für das HyLab insgesamt 4.211.888 Euro2.474.989 Euro gehen an Unibz für diverse Innovationen in der Land- und Forstwirtschaft. Die Forschungstätigkeit des Versuchszentrums Laimburg im Bereich der Agrarforstwirtschaft und das SensLab werden mit 2.385.770 Euro finanziert, während Eco Research 294.000 Euro zustehen. Gemeinsam mit Laimburg und UniBz arbeitet Eco Research an einem Projekt, das das Wasser in landwirtschaftlichen Produkten analysieren und so mehr Sicherheit über deren Herkunft schaffen soll.