Forschung

30 November 2018IDM

Sicherheit und Entwicklung am Berg: Die Vereinten Nationen kooperieren mit Eurac Research

Zusammenarbeit in den Bereichen Klimawandel, Katastrophenvorsorge, Verkehr und nachhaltiger Tourismus

Die blaue Fahne der Vereinten Nationen weht vor dem Hauptsitz von Eurac Research in Bozen. Sie ist ein Zeichen für die verstärkte Zusammenarbeit zwischen der Südtiroler Forschungseinrichtung und der UNO, wobei der Berg im Mittelpunkt steht. „Die Zukunft der Menschheit hängt vom Überleben der alpinen Umwelt ab“, sagt Roland Psenner, Präsident von Eurac Research. „Seit über 25 Jahren forschen wir in diese Richtung. Aufgrund unserer Arbeit hat die UNO nun beschlossen, uns als Partner auszuwählen, um die Sicherheit in den Berggebieten und deren nachhaltige Entwicklung weltweit zu fördern.“ 

Das prestigevolle Kooperationsprogramm, das kürzlich mit einem dreitägigen Workshop eingeläutet wurde, nennt sich GLOMOS (Global Mountain Safeguard Research). Es  sieht die Zusammenarbeit von Eurac Research mit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) in Bonn vor. 

Seit seiner Gründung hat das Bozner Institut die Entwicklung des alpinen Ökosystems aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Umwelt, Wirtschaft, Migration, Verkehr, Tourismus und Klimawandel. Zudem werden diese Aspekte durch Analysen zu Notfallmedizin, Minderheitenrechten, Regionalentwicklung, erneuerbaren Energien und Alpine & Green Technologies ergänzt.

Die Bergregionen machen etwa ein Viertel der gesamten Erdoberfläche aus. Und obwohl nur 13 Prozent der Weltbevölkerung in diesen Gebieten leben, sind sie für den Schutz der Biodiversität, für die globale Entwicklung der Landwirtschaft und für die Lebensmittelsicherheit ausschlaggebend. „Hier handelt es sich um Gebiete, die besonders empfindlich und den Naturkatastrophen ausgesetzt sind – so etwa den Folgen des Klimawandels oder von Erdbeben“, sagt Psenner. „Auch und gerade deshalb verdienen die Bergregionen unsere Aufmerksamkeit. Die Zusammenarbeit mit der Universität der Vereinten Nationen wird einen gewinnbringenden Austausch von Know-how und Erfahrungen ermöglichen.“ 

Seit den 1970er Jahren hat die UNO internationale Projekte und Forschungskooperationen auf diesem Gebiet initiiert. „1992 wurde mit der Unterzeichnung der Agenda 21 ein Kapitel geschaffen, das sich ausschließlich dem Berg widmet“, erklärt Jörg Szarzynski, wissenschaftlicher Koordinator des GLOMOS-Programmes. „Das Dokument mit den Richtlinien für eine nachhaltige Entwicklung am Berg wurde von 178 Staaten unterzeichnet.“ Nun soll in diese Richtung weitergearbeitet werden. „In diesem Zusammenhang wird es immer wichtiger, gemeinsame Aktionen und Projekte auf den Weg zu bringen“, bestätigt auch Dirk Messner, der Direktor des Bonner Institutes. „Mit der finanziellen Unterstützung von Partnern aus Südeuropa und Deutschland könnte in den kommenden Jahren die Wasserbewirtschaftung im nordafrikanischen Mittelmeerraum untersucht und verbessert werden.  Eine Maßnahme, um die Wirtschaftsmigration aus diesen Gebieten einzudämmen.“

Ein erstes gemeinsames Projekt von UNO und Eurac Research wurde bereits vor zehn Jahren ins Leben gerufen. „Wir haben immer auf diesem Gebiet gearbeitet und Umwelt- und Satellitendaten für den gesamten Alpenraum gesammelt“, sagt Stefan Schneiderbauer, Geograf bei Eurac Research. „Mit diesen Informationen lassen sich Wasserwirtschaftsprognosen für die Erzeugung von Strom aus Wasserkraft erstellen. Sie sind aber auch bei der Vorbeugung und Bewältigung von Naturkatastrophen wie Erdrutsche und Felsstürze nützlich.“ 

In Zukunft wird die Kooperation mit den Vereinten Nationen noch intensiver sein, wie die 150 Teilnehmer an der dreitägigen Konferenz in Bozen gezeigt haben. Zur Veranstaltung sind aber nicht nur Vertreter der Vereinten Nationen nach Südtirol gekommen, sondern auch Forscher aus verschiedenen Disziplinen sowie Fachleute und politische Entscheidungsträger aus aller Welt. Gemeinsam wurde über die anstehenden Herausforderungen reflektiert, denen sich die Alpenregionen vor dem Hintergrund des demografischen Wachstums, der Ressourcenknappheit und des Klimawandels stellen müssen.

Die Zusammenarbeit mit der UNO wird sich auch für die heimischen Unternehmen als hervorragende Gelegenheit erweisen, neue Märkte kennenzulernen. Aus diesem Grund hat der NOI Techpark anlässlich der internationalen Konferenz eine Fachmesse für Produkte zum nachhaltigen Management von Bergregionen veranstaltet. Mit dabei waren auch die Südtiroler Bergrettungskräfte.